Kchibo D96L
Ich habe ein neues Spielzeug, nämlich einen kleinen unscheinbaren Radioempfänger mit der Typenbezeichnung D96L. Es stammt vom chinesischen Hersteller Kchibo. Soweit nichts Besonderes, allerdings ist das Innenleben recht spannend – deswegen habe ich mir das Gerät aus Hongkong liefern lassen; auf dem europäischen Markt ist es leider nicht erhältlich.
Der Tuner empfängt die klassischen analogen Hörfunkbereiche UKW, MW und SW. Allerdings findet die Signalverarbeitung intern komplett digital in einem DSP statt. Dazu wird ein winziger Chip (3x3mm) von Silicon Labs verwendet, wahrscheinlich der Typ Si4734. Und das ist der Schlüssel zur unglaublichen Empfangsleistung dieses unscheinbaren Gerätes.Selbst schwache Sender kommen glasklar und völlig rauschfrei an. So eine Empfangsqualität habe ich zuletzt bei Schaub-Lorenz-Empfängern aus den siebziger Jahren gehört. Unglaublich.
Dazu kommen eine ganze Menge Features, wie beispielsweise umschaltbare De-Emphasis-Filter bei UKW, stellbares Frequenzraster bei MW, verschiedene Bandpässe für SW, Anzeige der Empfangsstärke in dBuV, 900 Speicherplätze, direkte Frequenzeingabe und jede Menge andere Spielereien.
Für umgerechnet etwa 65 Euro bekommt man das Gerät in einer schicken Verpackung, mit einem Netzteil (chinesische Bauform), Ladeadapter für USB, Kopfhörer, externe Wurfantenne, Anleitung und zwei Li-Ion-Akkus. Die Anleitung ist komplett auf chinesisch, genau wie auch die Tastenbeschriftungen. Etwas detektivische Arbeit und Recherchen im Internet gehören deswegen dazu. Zu den vielen Sonderfunktionen muss man sich erst einmal relativ blind durch die Tastenkombinationen fummeln.
Der eingebaute Kleinlautsprecher hat für die geringe Größe einen ungewöhnlich guten Klang, die Verarbeitung ist ziemlich wertig. Ausserdem findet sich am Gerät auch ein Drehencoder, der wahlweise zur Regelung der Lautstärke, Empfangsfrequenz oder zur Presetwahl verwendet wird.Durch die stellbaren Emphasis-Filter und wählbaren Steppings kann das Gerät weltweit zum UKW-Empfang genutzt werden. Besonders exotisch: Durch den erweiterten Frequenzbereich können sogar die in Osteuropa aussterbenden Frequenzbereiche aus Zeiten der Sowjetunion genutzt und die abweichenden UKW-Bänder in Japan empfangen werden.
Einziger Nachteil: Das in Europa genutzte Datensystem RDS ist nicht nutzbar, genau wie das amerikanische RBDS.
Fazit: Preisgünstig und von hervorragender Empfangsqualität. Normalerweise würde ein klassischer analoger Empfänger mit diesen Eigenschaften mit einigen hundert Euro zu Buche schlagen.
Übrigens erfreut sich der Kchibo D96L bei Kurzwellen-Fans großer Beliebtheit; die Internetforen sind voll davon.
Zum Bezug empfehlen sich weltweite Versandhändler oder das elektronische Auktionshaus.
Nachtrag
Auf dieser Seite finden sich Informationen zum Vorgängermodell Kchibo S60L, in dem der gleiche Chip eingebaut ist.


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