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Techno meets Klassik, Berlin meets Nürnberg

Es ist schon wieder Mittwoch, höchste Zeit um die Erlebnisse des vergangenen Wochenendes hier endlich einmal zu erwähnen.

Einer relativ spontanen Eingebung folgend ging es am Samstag wieder nach Berlin um einige Freunde zu besuchen. Leider ist meine BahnCard abgelaufen und der Journalistenservice der Deutschen Bahn sah sich ausserstande mir ohne die Vorlaufzeit von neun Tagen eine neue Karte auszustellen. Und um den Normalpreis der Bahn zu zahlen bin ich schon ein bisschen zu geizig, ganz ehrlich. Die Idee, mit dem eigenen Auto zu fahren, habe ich auch schnell wieder verworfen – zu deutlich habe ich noch die übermüdete Rückfahrt aus Berlin vor wenigen Wochen vor Augen. Und ich bin nicht naiv genug um zu glauben dass mich dieses Wochenende jetzt weniger müde machen würde.

Zum ersten Mal habe ich mich also für die Mitfahrgelegenheit entschieden. Von Nürnberg nach Berlin für 20 Euro – gutes Geschäft. Die Fahrerin war sympathisch, die anderen Mitfahrer auch. Alles easy.

Der Abend sollte allerdings noch recht aussergewöhnlich werden. Mit einigen Leuten bin ich nämlich gegen Mitternacht im legendären Berghain aufgelaufen. Von dieser Disco habe ich schon viel gehört, war aber noch nie selbst dort. Der Laden ist bekannt dafür, dass man locker zwei oder drei Stunden in der Schlange steht um dann oft an der Tür abgewiesen zu werden. Das Berghain gilt als beste Technodisco der Welt und ist berüchtigt für die dort herrschende Freizügigkeit. Fotografieren ist streng verboten. Wer vom Berghain bislang noch nichts gehört hat, ist eingeladen diesen Artikel bei Wikipedia zu lesen.

Erster Schönheitsfehler des Abends: Von der Straße aus gesehen liegt das Gebäude fast exakt 100 Meter entfernt. Und die Schlange von wartenden Menschen ging eben bis zur Straße… Ein Stammgast aus meinem Freundeskreis hat es aber möglich gemacht: An der wartenden Menge vorbei wurde uns der Weg geebnet und so waren wir um kurz nach Mitternacht die ersten Gäste.

Die Location ist schon alleine vom baulichen Gesichtspunkt her überwältigend. Der Club befindet sich im Gebäude eines ehemaligen Heizkraftwerkes aus den fünfziger Jahren. Innen findet sich beispielsweise eine riesige Halle, aber auch kleinere Räume und Bars. Eine pittoreske Industrieruine, teilweise noch mit den originalen Einrichtungen. Sehr, sehr geil.

Sicher, ich bin kein Techno-Fan und kann mit dieser Musik nicht sehr viel anfangen. Ein krasses Erlebnis war es aber allemal. Warum? Selbst ansehen!
Jedenfalls habe ich verstanden, dass diese Clubs hier in Nürnberg – egal wie sie heißen mögen – verglichen mit dem Berghain in etwa so spannend sind wie das Kaffeekränzchen eines katholischen Kirchenchors im Pflegestift. Und als ich sieben Stunden später – es war wieder hell – jemanden beobachtete der beim Versuch sich Zutritt zu verschaffen von der Fassade stürzte und humpelnd vor den Securitys wegrannte, wurde mir auch wieder bewusst wieviele Leute trotz stundenlangen Wartens nicht hineingelassen wurden.

Dass das Geld für das Taxi auf dem Heimweg nicht mehr reichte ist nur eine Randerwähnung. Eine Wanderung durch das sonntagmorgendliche Berlin hat ja auch was. Mit der Bahn ging es dann wieder nach Nürnberg zurück (ja, auch ohne BahnCard). Dort angekommen ging es gleich mit der Straßenbahn weiter zum Klassik Open Air im Luitpoldhain. Minimal Techno und Klassik innerhalb weniger Stunden… Naja.

Auch wenn ich weder ein Techno-Jünger noch ein exzessiver Clubgänger bin, es war auf alle Fälle eine Erfahrung wert. Aber die normale Arbeitswoche hat mich ja längst wieder im Griff.